yamo Talks: Interview mit Tatel Velásquez

13 min zu lesen

Zur Person:

Tatel Velásquez Padilla, 34, ist gebürtige Kolumbianerin, hat aber die letzten 16 Jahre in Barcelona gewohnt. Bis im Sommer 2017 als sie mit ihrer Familie in die Schweiz nach Luzern gezogen ist. Tatel ist Mutter von zwei Jungs (1 Jahr und 8 Jahre). Ihre Leidenschaft ist die digitale Welt. Die letzten 10 Jahre hat Tatel unter anderem an ihrem Blog trendycrew.com gearbeitet, in dem sie sich Modestilen aus aller Welt widmet. Ausserdem arbeitet Tatel bei yamo als Head of Online Marketing.

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Ist Mutterschaft so, wie du es erwartet hast?

Überhaupt nicht! Du kannst Alles darüber nachlesen, alle Ratgeber der Welt anschauen, von den Erfahrungen deiner Freunde profitieren und trotzdem wirst du nie wissen, wie Muttersein wirklich ist, bevor du selbst Kinder hast.

Mutterschaft ist ein verrücktes Abenteuer voller Kontraste. Du hast absolut wundervolle Tage, aber auch solche, an denen du am liebsten gar nicht aus dem Bett kommen würdest. Es gibt Zeiten, während derer man sich wie in einer Zeitschleife fühlt. Immer die selben Dinge tut, wieder und wieder. Aber dann sind da wieder Tage, die so unerwartet und erfrischend sind.

Eine Mutter zu sein verleiht dir manchmal das Gefühl über Superkräfte zu verfügen, aber manchmal fühlt man sich auch einfach nur ausgelaugt…

Für mich sind genau diese Dinge das Schöne am Muttersein. All diese Erfahrungen mit deinen Kleinen zu teilen, von einander zu lernen – die Guten und die weniger Guten Dinge – und dabei zu versuchen, zu einer besseren Version von dir selbst zu werden.

Was hast du von deinen Kindern gelernt?

Sie haben mir vor allem Geduld beigebracht, etwas, das ich vorher überhaupt nicht hatte. Ich habe auch gelernt standhaft zu bleiben und nicht nachzugeben, wenn die Dinge einmal ein wenig herausfordernd werden. Viele der Dinge, die für uns Alltäglich sind, wie laufen, alleine essen, eine Flasche zu verschliessen, wirken so selbstverständlich… bis du deinem Baby dabei zusiehst, wie es sich daran versucht. Das lässt dich erst erkennen, wie viel es braucht um all diese Dinge zu lernen und zu meistern. Babys lernen all diese Sachen einzig durch wiederholtes Probieren, ohne dabei aufzugeben.

Was gibt dir das Gefühl eine gute Mutter zu sein?

Wenn ich sehe, wie mein älterer Sohn mit seinem kleinen Bruder umgeht oder wie er sich gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen verhält.  Was ich sehe macht mich stolz und gibt mir das Gefühl einen guten Menschen aufzuziehen.

Stell dir vor, du hättest jeden Tag eine Stunde mehr zur Verfügung. Was würdest du tun?

Zeit für mich nehmen! Warscheinlich würde ich die Zeit nutzen, um Freunde zu treffen und ihnen meine volle Aufmerksamkeit geben zu können, mehr zu lesen, mir eine Maniküre oder eine Massage gönnen, Sport machen… es gibt unendlich viele Möglichkeiten!

Wie kriegst du das Mamisein und Arbeiten unter einen Hut?

Ich habe das Glück für eine Firma tätig zu sein, die mir die Flexibilität ermöglicht Arbeit- und Familienleben unter einen Hut zu bringen. Das hilft bereits sehr, braucht aber viel Organisation.

Für mich bedeutet dies am Abend so zu kochen, dass mein Ältester den Rest am nächsten Tag zu Mittag essen kann, die Windeln für meinen Jüngsten monatlich nach Hause zu bestellen und den Kühlschrank mit yamo-Brei gefüllt zu haben für die Tage, an denen ich keine Zeit oder Energie habe zu kochen.

Aber auch auf die Hilfe und Unterstützung anderer angewiesen zu sein, wie auf meinen Ehemann, mein Aupair oder auch andere Eltern – Mit zwei Kindern habe ich gelernt, dass es völlig ok ist, um Hilfe zu bitten, wenn nötig. Deswegen bin ich nicht weniger eine gute Mutter.

Hat das Mutter werden deine Karriere beeinflusst?

Ja, Mutterschaft hat auf jeden Fall meine Karriere beeinflusst. Damals in Barcelona musste ich vielen zuerst einmal beweisen, dass ich auch als Mutter immer noch zuverlässig war und mir meine Karriere nicht plötzlich egal war.

Glücklicherweise haben sich die grössten Veränderungen alle als positiv herausgestellt. Seit ich eine Mutter bin, möchte ich daran glauben, dass ich zu einer besseren Person geworden bin. Ich bin geduldiger, verständnisvoller und effizienter. Ich habe gelernt ein Problemlöser zu sein. Alle diese Eigenschaften, welche mich das Muttersein gelehrt hat, haben mir geholfen Teams in einer effizienteren und hoffentlich inspirierender Art zu leiten.

Wie sieht bei euch der Ablauf beim Abendessen aus? Habt ihr besondere Rituale?

Ja, wir versuchen Rituale für fast alles zu entwickeln, weil wir glauben, dass geregelte Abläufe wichtig für Kinder und Babies sind.

Unser Abendessen Ritual startet normalerweise mit Musik, wir spielen sehr gerne fröhliche Musik (Bossanova oder Calypso sind immer auf unserer Playlist) während wir kochen und unser Ältester den Tisch deckt. Währenddessen spielt unser Jüngster mit Töpfen und Pfannen.

Anschliessend setzen wir uns alle zusammen an den Tisch und essen gemeinsam. Wir wechseln uns jeweils ab, wer das Baby füttert. Mal ist mein Mann dran, mal bin ich dran. Dabei reden wir über unseren Tag, wie der Tag gelaufen ist und machen Pläne für den nächsten Tag oder das Wochenende.

Wenn wir fertig gegessen haben, räumt mein älterer Sohn den Tisch ab, während wir unser Baby ins Bett bringen… und dann fängt bereits das nächste Ritual an.

Welchen Rat würdest du frischgebackenen Eltern geben?

Elternschaft ist das Herausfordernste, das dir in deinem Leben passieren wird. Unterschätz es nicht und hab keine Scham davor um Hilfe zu bitten, wenn dir alles zu viel wird. Mir gefällt die Redewendung „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“. Also lass zu, dass deine Familie, deine Freunde und Experten (Hebammen, Elternberatung etc.) dich unterstützen.

Welches Erlebnis fällt dir zum Thema #Momfail ein?

Als ich meinen ersten Sohn bekommen habe, gab es einen Tag als er einfach nicht aufhören wollte zu weinen. Ich war völlig ratlos, habe ihn gewiegt, versucht ihn zu füttern, Lieder gesungen… ich habe so viele Dinge probiert, doch nichts schien zu helfen.

Bis ich realisiert habe, dass ich vollkommen vergessen hatte seine Windel zu wechseln! Das Offensichtlichste und ich habe nicht daran gedacht. Ich habe mich schrecklich gefühlt, also habe ich eine Liste mit allen möglichen Gründen, wieso mein Baby weinen könnte erstellt. Die Liste habe ich dann an die Zimmertüre geklebt. Du kannst dir vorstellen, was an erster Stelle auf dieser Liste stand…

2 Comments
  1. Tolles Interview! Ich finde es echt spannend auch einmal von den positiven Effekten vom Mutter werden auf die Karriere zu lesen. Das wird meiner Meinung nach noch viel zu wenig thematisiert.

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