yamo Talks: Interview mit Fiorina Springhetti

10 min zu lesen

Zur Person:

Fiorina, 35 Jahre alt, ist Gründerin des Blogs www.mamalltag.ch und arbeitet als ganzheitliche Ernährungsberaterin. Sie und ihr Mann, die bessere Superhälfte, haben zwei Mädchen im Alter von fünfeinhalb und dreieinhalb. Im Sommer beginnt sie ihr Studium zur Naturheilpraktikerin und wird wohl die nächsten sechs Jahre eher überbeschäftigt als gelangweilt sein.

„Ich freue mich auf diese neue Herausforderung, denn ich weiss, mein Mann und die beiden Mädchen unterstützen mich in jeder Hinsicht – so wie ich sie. Familienleben eben.“

Ist Mutterschaft so, wie du es erwartet hast?

Ja, nein, ich weiss es nicht. Ich bin ein Mensch der ungerne Erwartungen hegt. Erwartungen haben oft etwas Enttäuschendes an sich. So kann ich also nur sagen: Mutterschaft hat mich mit voller Wucht getroffen – im Herzen, bei den Nerven, in der Nacht und beim Schlafmangel, bei meiner bedingungslosen Art zu Lieben.

Was hast du von deinen Kindern gelernt?

Die Muse der Einfachheit. Kinder können sich so herrlich auf eine einzige Sache konzentrieren. Wenn sie etwas tun, dann tun sie dieses mit allen Sinnen. Unser erwachsenes allumworbenes Multitasking ist den Kindern fremd und für sie nicht erstrebenswert. Sich auf etwas einlassen, etwas zulassen, das lerne ich jeden Tag auf’s neue von meinen Kindern. Und so denke ich, tragen meine Kinder viel zu meiner Achtsamkeit bei. Sie lernen mich, achtsam und aufmerksam zu sein. Ihnen gegenüber, der Sache gegenüber – gegenüber all meinen Mitmenschen.

Was gibt dir das Gefühl eine gute Mutter zu sein?

Eine sehr gute Frage. Eine wichtige Frage, denn in keinem meiner Jobs hab ich je so viel mit mir gehadert und an mir gezweifelt, wie bei meiner aktuellen Beschäftigung Mama zu sein und unsere Kinder zu erziehen. Der wohl wahrhaftigste Moment, in dem ich mich als gute Mutter fühle ist, wenn die Mädchen mich umarmen, fragen, ob ich mit ihnen kuscheln kann und dann sagen: „Mama, ich würde am liebsten mein ganzes Leben lang so mit dir kuscheln.“ Also darf ich wohl sagen, dass die Liebe und die Nähe meiner Kinder mir das Gefühl geben, eine gute Mutter für sie zu sein.

Stell dir vor, du hättest jeden Tag eine Stunde mehr zur Verfügung. Was würdest du tun?

Utopische Antwort: Ich würde Yoga machen oder meditieren oder noch mehr Bücher lesen. Realistische Antwort: Ich würde wohl einfach eine Stunde pro Tag mehr irgendwelchem Zeugs hinterherrennen.

Wie kriegst du das Mamisein und Arbeiten unter einen Hut?

Ehrlich? Der Erfolg schwankt von 0-100%. Es gibt Momente, da komme ich zu nichts und bin nahe der totalen Verzweiflung und tue mir wahnsinnig selber leid. Das sind solche Heul-Momente wo ich mir sage: „Ich bin Mitte Dreissig und habe keine Lust mehr auf Nachtschicht-Arbeit, aber ich weiss einfach nicht, wann ich meine Arbeit sonst erledigen soll.“ Und es gibt Momente da klappt es bilderbuchmässig. Die Kinder spielen friedlich und lassen mich tatsächlich für 1-2 Stunden am Stück an meiner Arbeit sitzen. Mal so, mal so. Aber das ist Mutterschaft/Vaterschaft – es gehört irgendwie einfach dazu und ist ok (ausser in diesen 0%-Verzweiflungs-Weltuntergangs-Momenten – dann ist NICHTS ok).

Wie sieht bei euch der Ablauf beim Abendessen aus? Habt ihr besondere Rituale?

Für uns ist es ganz wichtig, dass wir aufeinander Warten und dass das Abendessen etwas Gemeinsames ist. Sobald alles auf dem Tisch steht und jeder sich gesetzt hat, wünschen wir uns einen „Guten Appetit“ und beginnen mit dem Essen. Dabei darf geredet und diskutiert werden. Natürlich nicht mit vollem Mund. Wir haben einige für uns sehr wichtige Regeln:

1. es gibt kein „wäh“ am Tisch, man darf aber gerne sagen „das mag ich nicht so gerne“.

2. wir spielen nicht mit dem Essen.

3. wir warten alle am Tisch bis jeder mit dem Essen fertig ist.

4. wir tragen gemeinsam das Geschirr zurück in die Küche.

Welchen Rat würdest du frischgebackenen Eltern geben?

Ich gebe ungerne Ratschläge. Eltern-sein ist so individuell, da gibt es wenig das allgemein funktioniert und gelten muss. Aber vielleicht ein klitzekleiner Rat: Habt keine Erwartungen. Erwartungen blockieren uns und fördern eher das Frustriert-sein als das Glücklich-werden.

Welches Erlebnis fällt dir zum Thema #Momfail ein?

Nicht wirklich ein #Momfail, aber letztens fuhr ich zu einem Event in Zürich. Schön aufgebretzelt mit allem was dazu gehört, wenn man so ohne Kinder weg kann. Und kurz bevor ich nach 30 Minuten Fahrtzeit ankam, bemerkte ich, dass ich „Chasperli“ hörte – den ganzen bescheuerten Weg lang. „CHASPERLI“ – so viel zur „Selbstliebe“.

No Comments Yet

Leave a Reply

Your email address will not be published.

#FreshFoodForBabies

FOLGE UNS AUF