Unser Kind findet keine Freunde: 5 Tipps, was Eltern tun können

Menschen sind soziale Wesen und suchen die Gesellschaft und den Austausch mit anderen. Nicht anders ist das bei Kindern. Umso mehr kommt man als Eltern ins Grübeln, wenn der Nachwuchs keine Freunde hat, sich nie mit anderen verabredet und lieber allein spielt. „Was stimmt nicht mit meinem Kind?“, zweifelt da so manche Mutter. Und mancher Vater fragt sich: „Warum wird meine Tochter nie an Geburtstagsfeste eingeladen?“

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Credit: Bonnie Kittle/Unsplash

Eltern lieben ihren Nachwuchs über alles und wollen, dass es ihm gut geht und ein aktives soziales Leben führt, gesellschaftlich respektiert ist und dabei lernt zu teilen sowie Konflikte zu bereinigen. Alles Fähigkeiten, die nur in der Interaktion mit anderen geübt werden können.

Doch sind alle Menschen gleich? Benötigen alle Kinder Gruppen und Freunde, um zu sozialen Wesen heranzuwachsen? Müssen sich Erziehungspersonen Sorgen machen, wenn das Kind keine Freunde findet? Und dürfen Eltern auch mal nachhelfen?

Wir haben recherchiert und dir hier einige Infos zusammengestellt. Das wichtigste schon mal im Voraus: Solange das Kind sich wohlfühlt und nicht leidet, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Sehnt es sich aber nach anderen und wird wehmütig, ist traurig und vermisst einen Freund, dann sollten die Eltern dem Kind auf jeden Fall aktiv helfen, die Situation zu ändern.

Freundschaften sind wichtig

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Credit: Austin Pacheco/Unsplash

Kinder sind einzigartig und bringen unterschiedliche Bedürfnisse in der motorischen, sprachlichen und psychischen Entwicklung mit. Dazu der bekannte Kinderarzt Remo Largo: „Jedes Kind ist ein einmaliges Wesen. Nicht nur wegen der unterschiedlichen Erfahrungen, die es macht. Es ist auch in seiner Anlage einmalig.“

Damit Kinder als Persönlichkeit wachsen können und gleichzeitig auch sozialen Umgang lernen, brauchen sie nebst erwachsenen Bezugspersonen auch andere Kinder. Im Spiel lernen sie, sich anzupassen, Konflikte zu lösen, sich ins gegenüber einzufühlen, in Kontakt mit anderen zu treten und Freundschaften zu pflegen. Dazu benötigen sie genügend Freiraum, um mit anderen und sich selbst zu spielen und die Welt zu entdecken.

Freundschaften sind wichtig, denn sie wirken sich positiv auf das Selbstwertgefühl von Kindern aus. Sie erfahren dadurch gegenseitige Zuneigung und Unterstützung. Gemeinsam können Freunde und Freundinnen nicht nur lachen und Abenteuer erleben, sondern auch Sorgen teilen und Trost erhalten.

Freunde und Freundinnen können im Verlauf der Kindheit mehrmals wechseln und erreichen eine wichtige Stufe in der Pubertät. Durch Streit kann es zu einer temporären Auszeit in der Freundschaft kommen. Umso schöner ist es dann, wenn Frieden geschlossen wird.

Mögliche Gründe, dass Kinder keine Freunde finden

Nicht allen Menschen sind Freunde gleich wichtig und manch einer ist glücklich mit sich selbst oder seiner Familie. So hat auch jedes Kind unterschiedliche Bedürfnisse, wenn es um Freundschaften und Geselligkeit geht. Manch eines spielt lieber allein konzentriert mit seinen Legos und bespricht Sorgen mit dem Kuscheltier. Andere wiederum sind stets umgeben von vielen Kids und tun sich schwer, sich allein zu beschäftigen.

Die Gründe, wieso ein Kind keine Freunde hat, sind sehr unterschiedlich. Manche Kinder sind schüchtern und beobachten zuerst, bevor sie auf andere zugehen. Andere wiederum lassen nichts anbrennen und wollen immer die Anführerin oder der Anführer sein. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um Freundschaften zu schliessen.

Kinder mit Handicaps wie Störungen in der Sprachentwicklung oder körperlicher Behinderung können durch das Umfeld verursachte Minderwertigkeitskomplexe entwickeln und leicht zum Aussenseiter oder Opfer von Mobbing werden.

Dein Kind findet keine Freunde? Mögliche Gründe:

  • Verhalten des Kindes schreckt andere Kinder ab.
  • Introvertiertheit oder Schüchternheit erschweren die Kontaktaufnahme.
  • Reife des Kindes entspricht nicht derjenigen der Kameraden.
  • Körperliche Merkmale unterscheiden das Kind stark von den anderen.
  • Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörung lassen Austausch mit anderen nicht zu.
  • Hochbegabte Kinder tun sich manchmal schwer mit Gleichaltrigen.
  • Mobbing grenzt das Kind aus und verursacht Minderwertigkeitskomplex.

Als Eltern lohnt es sich auf jeden Fall dem Kind aufmerksam zuzuhören und zu beobachten, um die Gründe zu identifizieren. Hat ein Kind aufgrund seines eigenen Verhaltens Probleme mit anderen, sollten Eltern ihr eigenes Verhalten bei der Kontaktaufnahme mit anderen anschauen.

Alleinsein macht nicht nur traurig

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Credit: Davidson Luna/Unsplash

Hat ein Kind keine Freunde und ist nicht traurig darüber, scheint glücklich und zufrieden, dann sollte das von den Eltern respektiert werden. Denn wie auch bei Erwachsenen gibt es Kinder, die hervorragend mit sich selbst Zeit verbringen können. Sie sind vielleicht nicht so gesellig, da sie lieber selbstständig und allein an etwas rumtüfteln. Freundschaften sollten deshalb niemals erzwungen werden.

Forscher der Universität von Arizona haben herausgefunden, dass freundschaftliche Bindungen dazu beitragen, glücklich zu sein, doch nicht der wichtigste und einzige Faktor sind. Mit der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft identifiziert sich der Einzelne nicht mehr nur durch das Zugehörigkeitsgefühl zu anderen. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Familie sowie auch Wettbewerbsfähigkeit kommen noch vor Freundschaften.

So kann es sein, dass Freunde auch bei Kindern nicht an vorderster Stelle stehen und sie die Zeit mit sich durchaus geniessen.

Wie kann man als Elternteil helfen, Freunde zu finden?

Als Erziehungsperson solltest du einige Punkte beachten, wenn du dein Kind aktiv unterstützen willst. Erstens gilt es, die Privatsphäre des Kindes zu respektieren. Denn Freundschaften gehören dem Kind und der Umgang damit sei grundsätzlich Sache des Kindes, so Dr. Jan-Uwe Rogge. Eltern können das Kind im Hintergrund stärken und sollten Vertrauen in das Kind haben, dass es, so wie es ist, in Ordnung und liebenswert ist.

Eine wichtige Frage, die gemäss Diplom-Psychologe Andreas Engel zentral ist: „Kann das Kind überhaupt freundschaftliche Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen?“ Sind Kinder in Gruppen und Gemeinschaften eingebunden, gelten aber als Aussenseiter, sollte genauer geschaut werden, was die Ursache ist.

Tipp 1: Regelmässige Kontakte zu anderen Kindern pflegen

Du kannst bewusst Situationen und Begegnungen schaffen, bei denen dein Kind mit anderen Kindern spielen und Freundschaften schliessen kann.

Regelmässige Besuche ausserschulischer Begegnungsräume wie Spielplatz oder wiederkehrende Aktivitäten wie Vater-Kind-Turnen oder Verabredungen mit einer befreundeten Familie ermöglichen Interaktion mit anderen Kindern. Und beim Umzug in ein neues Quartier können Kinder auch mal gezielt zum Spielen eingeladen werden, um freundschaftliche Beziehungen anzustossen.

Tipp 2: Kinder teilen gerne gemeinsame Interessen

Fällt es deinem Kind schwer, Freunde in der Schule zu finden, kann es auch sein, dass es einfach mit keinem der Schulkameraden oder -kameradinnen auf der gleichen Wellenlänge ist. Deshalb lohnt es sich, mit dem Kind eine Freizeitaktivität zu suchen, die seinen Interessen entspricht und Spass macht.

Ausgezeichnet eignen sich Aktivitäten, bei denen durch Zusammenarbeit und mit Teamgeist etwas erarbeitet wird, wie etwa Theater, Musikgruppe oder Sportverein. Denn gemeinsame Erlebnisse und Erfolge verbinden.

Tipp 3: Das Kind ernst nehmen und mögliche Lösungswege suchen

Wenn du merkst, dass dein Kind Schwierigkeiten hat, Freunde zu finden, dann kannst du mit ihm darüber sprechen. Gemeinsam könnt ihr überlegen, welche Lösungen es für die Situation gibt oder welche Alternativen bestehen, um Freunde zu finden.

Sich in die anderen Kinder einzufühlen, ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Dieser hilft manchmal zu verstehen, wieso andere vielleicht nichts mit einem zu tun haben wollen.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass Kleinkinder eher nebeneinander spielen und erst ältere Kinder miteinander agieren. So ist es sinnvoll, das Thema Freundschaft erst ab dem 6. Lebensjahr zu besprechen.

Tipp 4: Kontakte knüpfen und Freundschaften pflegen – Eltern sind Vorbilder

Als Erziehungsperson kannst du deinem Kind vorleben, wie Kontakte zu anderen Menschen geknüpft werden können. Indem du freundlich und direkt auf andere zugehst und Interesse an ihnen zeigst, lernt dein Kind dies auch zu tun.

Kinder erleben die Freundschaftspflege der Erwachsenen eins zu eins im Alltag mit. Sei es, weil Freunde zum Abendessen vorbeikommen oder du beispielsweise beim Umzug hilfst. Kinder sind oft dabei, wenn Mamas und Papas Freunde auf einen Tratsch vorbeikommen. So bekommen die Kids schon mal mit, wie Sorgen zwischen Erwachsenen besprochen werden und imitieren das auch.

Tipp 5: Wenn das Kind leidet, sofort reagieren

Wenn du siehst, dass dein Kind leidet und eine Freundin oder einen Freund vermisst, trotz aller Versuche deinerseits, dann ist es angebracht, darauf zu reagieren.

Ein Gespräch mit der Betreuungsperson kann helfen, Lösungen zu suchen. Wird das Kind ausgegrenzt und ist Opfer von Mobbing, sollte die Lehrperson sofort informiert werden. Wenn sich die Situation nicht ändert, kann vielleicht eine neue Betreuungssituation oder Schule helfen.

FAQ

Kinder und Freunde
Credit: Andries Meijer/Unsplash

Warum finden manche Kinder keinen Anschluss?

Es gibt viele Gründe, wieso Kinder Mühe haben, Freunde zu finden. So können äussere Merkmale, ein schlechtes Selbstwertgefühl, Schüchternheit und Introvertiertheit, Hochbegabung, Reife, das eigene Verhalten und viele andere Faktoren dazu führen, dass ein Kind sich schwertut, Freundschaften zu finden.

Was kann man als Erziehungsberechtigter tun in einem solchen Fall?

Leidet ein Kind offensichtlich darunter, keine Freunde zu haben, dann kann altersabhängig das Gespräch mit ihm gesucht werden. Gemeinsam können Lösungen erarbeitet werden. Beobachten und aufmerksam zuhören, gibt Eltern ausreichend Informationen. Gezielte Aktivitäten mit anderen Familien, Kindern und Gruppen auch mal im nicht gewohnten Rahmen zu unternehmen, kann Abhilfe verschaffen. Gleiche Hobbys und Interessen verbinden.

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yamo

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