Ab wann Kinder Handys nutzen sollten

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Die Frage ist schon lange nicht mehr «ob», sondern vielmehr «wann» die Kinder ein eigenes Smartphone ihr Eigen nennen. Unsere Töchter und Söhne wachsen in einer digitalisierten Welt auf und es ist wichtig, dass sie früh genug einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesen Technologien lernen. Das heißt jedoch im Umkehrschluss keineswegs, dass ein 5-Jähriger schon einen Fernseher im Kinderzimmer haben oder gar ein Handy besitzen sollte. Vor der Entscheidung gilt es einige Kriterien zu beachten und für sich auch die Frage zu klären, ob es denn von Anfang an ein internetfähiges Gerät sein muss.

 

Sinnvoll oder nicht?

ab wann kinder handy bild 1

Fotografieren, Surfen, Navigieren, Musik hören – Smartphones sind so viel mehr, als nur kompakte Geräte zum Telefonieren. Und das wissen die Kinder genau. Häufig ist es so, dass unser Nachwuchs teilweise ein besseres Verständnis für die Funktionen eines Handys hat, als wir selbst. Wenig verwunderlich, denn wir Erwachsene nutzen die Technik oft anders als die jüngere Generation.

Die Geräte sind praktisch, auch für Schüler. Hat zum Beispiel der Bus Verspätung, so erhalten Mama oder Papa darüber kurzfristig Bescheid. Oder aber die Brotzeit für die Schule wurde vergessen: Kein Problem. In einer unbeobachteten Minute auf dem Pausenhof werden die Eltern informiert und mit etwas Glück wird das Pausenbrot nachgeliefert. Ähnliche Situationen gibt es Zuhauf und es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass ein Handy für Kinder durchaus viele Vorteile mit sich bringt. Es ist immer griffbereit, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Und sind wir ehrlich: Die Zeiten, wo Telefonzellen die Straßenecken zieren, sind lange vorbei.

Einer Studie von Bitkom zufolge, welche im Jahr 2019 getätigt wurde, besitzen etwa 54 % der 6 bis 7 Jahre alten Mädchen und Jungen ein eigenes Smartphone. Bei den 10- bis 11-Jährigen sind es bereits 82 %. Auch wenn der eigene Nachwuchs gerne mit dem Argument kommt, dass alle seine Altersgenossen bereits ein Handy haben, sollten wir Eltern uns doch davon keinesfalls unter Druck setzen lassen.

 

Brauchen Grundschüler ein eigenes Gerät?

Besonders in Großstädten lässt sich sehr gut beobachten, dass immer mehr Erst- und Zweitklässler mit einem Smartphone in der Hand durch die Gegend laufen. Die Frage, ob das sinnvoll ist, lässt sich wie so vieles nicht eindeutig beantworten. Es ist aber definitiv beruhigend für uns Erziehungsberechtigte, wenn wir wissen, dass man uns jederzeit in einer Notlage telefonisch erreichen kann.

Rein theoretisch reicht für derartige Zwecke ein einfaches Notfall-Handy vollkommen aus. Evtl. mit GPS-Ortung, welches die Lokalisierung des Kindes bei Bedarf ermöglicht. Diese Technik ist nicht ganz billig, bietet aber im Vergleich zu anderen Smartphones einige Vorteile. Oft ist eine Notfalltaste vorhanden. Anrufen ist natürlich möglich, allerdings stehen den Kindern hier nur die Rufnummern zur Verfügung, welche von den Eltern zuvor eingespeichert wurden.

Einige Pädagogen empfehlen, dass Kinder ab ca. 9 Jahren ein eigenes Gerät besitzen sollte. Ohne die Möglichkeit, im Internet zu surfen. In diesem Alter sind die Kleinen noch nicht in der Lage, die Gefahren des World Wide Web zu erkennen oder gar einzuschätzen. Auch mediale Aufklärung bringt noch nichts bzw. wird nicht wirklich verstanden.

 

Ist der eigene Nachwuchs bereit dafür?

Auch wenn laut der bereits erwähnten Statistik bereits 82 % der 10-Jährigen ein Handy besitzen, so sind sich viele Fachleute einig darüber, dass ein Gerät mit allen Funktionen den Kids erst ab dem 12. Lebensjahr zur Verfügung gestellt werden sollte. Ab diesem Zeitpunkt ist meist davon auszugehen, dass die Jugendlichen verantwortungsbewusst mit dem Smartphone umgehen und auch die Konsequenzen der persönlichen Online-Präsenz verstehen. Die elterliche Unterstützung sollte natürlich nach wie vor vorhanden sein. Ob das eigene Kind diesen Erwartungen gerecht wird, könnt nur ihr als Eltern einschätzen und beurteilen. In einigen Fällen ist es sinnvoll, noch ein oder zwei Jahre zu warten, ehe man der Tochter oder dem Sohn ein voll funktionales Smartphone in die Hand drückt.

 

Worauf Eltern achten sollten

Ein eigenes Handy bedeutet viel Verantwortung. Und es ist unwahrscheinlich, dass unsere Kinder diese bereits von Anfang an besitzen. Auch sollten wir nicht voraussetzen, dass selbst Jugendliche um die Gefahren des Internets wissen oder Begriffe wie Copyrightverstoß, Kostenfallen, Privatsphäre oder Cyber-Mobbing richtig einordnen können. Hier müsst ihr mediale Aufklärungsarbeit leisten. Und besonders in der Anfangsphase öfter, als euch lieb ist. Zu den grundlegendsten Informationen, die ihr vermitteln müsst, gehören beispielsweise:

  • Keine Fotos bzw. Videos posten oder an Fremde verschicken! Dies gilt für eigene Bilder ebenso wie für Aufnahmen von Freunden.
  • Sensible Daten, wie etwa Name oder Adresse, gehören nicht ins Internet und sollten auch fremden Personen nicht mitgeteilt werden. Das Stichwort hierbei lautet «Datenmissbrauch».
  • Keine fremden Links anklicken.
  • Nicht mit fremden Menschen chatten, selbst wenn diese sich als Gleichaltrige mit gemeinsamen Interessen ausgeben.
  • Es gibt nichts gratis im Netz! Hinter derartigen Angeboten lauern häufig teure Abofallen oder Datensammler.
  • Keine Bilder aus dem Internet verwenden oder irgendwo hochladen. Es ist immer das Einverständnis des Grafikers notwendig.
  • Vorsicht vor illegalem Dateientausch oder dem Streamen von Videos. Das kann nicht nur teuer werden, sondern unter Umständen auch eine Strafanzeige mit sich bringen.

Übrigens: Wenn ihr selbst nicht fit in diesem Themenbereich seid, scheut euch nicht davor, Hilfe von Fachleuten zu holen. Die richtige Mediennutzung will gelernt sein.

 

Prepaid oder Vertrag?

Sobald ihr die Frage für euch geklärt habt, mit welchem Alter euer Kind ein Smartphone bekommt, folgt direkt die nächste Herausforderung: Die Wahl des richtigen Providers. Vielleicht habt ihr selbst einen Handytarif, welcher euch günstig die Nutzung einer 2. Simkarte ermöglicht. Beide Varianten, Prepaid und Vertrag, haben Vor- und Nachteile.

Prepaid: Das Prinzip dieser Variante ist simpel: Monatlich wird ein gewisser Betrag auf die Sim-Karte geladen und durch Telefonieren oder andere Dienste wieder ausgegeben. Dabei ist es nicht möglich, ins Minus zu rutschen. Unerwünschte Kosten sind damit ausgeschlossen und die Ausgaben bleiben übersichtlich. Der Nachteil vom Prepaid Tarif: Ist die Summe abtelefoniert oder wurde durch andere Dienstleistungen verbraucht, ist die Nutzung des Smartphones nur noch eingeschränkt möglich. Das Kind kann zwar angerufen werden, aber selbst keine Telefonate nach draußen tätigen.

Vertrag: Chatten, Surfen, Telefonieren, Streamen – die Möglichkeiten mit einer vertraglichen Bindung sind groß. Auch viele Prepaid-Tarife bieten mittlerweile die Möglichkeit einer Internet- und Telefonie-Flatrate, allerdings zu deutlich teureren Konditionen. Das regelmäßig Aufladen der Sim-Karte entfällt und damit das Risiko, dass das Kind in einer Notlage plötzlich aufgrund des fehlenden Guthabens nicht Zuhause anrufen kann. Dafür jedoch können schnell weitere Kosten entstehen. Auch die Bindung an den Vertrag, welcher in der Regel zwischen 12 und 24 Monaten beträgt, sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Es gilt die Devise: «Hohe Kosten und Risiken vermeiden». Bei älteren Kindern ist es meist sinnvoll, auf einen Handy-Vertrag zurückzugreifen. Bei den Jüngeren reicht einen Prepaid Tarif vollkommen aus. Um die monatliche Aufladung nicht zu verpassen, gibt es bei fast allen Anbietern die Möglichkeit, die Summe per Lastschrift vom elterlichen Konto abbuchen zu lassen. Diese Option ist jederzeit widerrufbar bzw. lässt sich flexibel an die Bedürfnisse anpassen. Es lohnt sich, wenn ihr mit euren Kindern gemeinsam alle bestehenden und infrage kommenden Angebote durchschaut und in einer familiären Runde besprecht.

 

Regeln aufstellen

Ihr als Eltern habt eine Vorbildfunktion. Wenn Mama und Papa ständig am Smartphone oder Tablet hängen, wird es der Nachwuchs einem gleichtun. Regeln sind wichtig, wovon die Wichtigste für alle Altersgruppen in der Familie gilt: Handyfreie Zeitzonen über den Tag verteilt einführen. Zum Beispiel bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder aber beim familiären Spieleabend.

Sucht auch immer das Gespräch zu eurem Kind und redet mit ihm über die Gefahren und das richtige Verhalten im World Wide Web. Auch wenn das für beide Seiten oft frustrierend ist, verdrängen die jüngeren Handynutzer gerne, dass das Internet mit all seiner Vielfalt auch Schattenseiten hat und viele Gefahren birgt. Die Kids müssen zudem die Gewissheit und Sicherheit haben, dass sie sich jederzeit mit allen Anliegen bzw. Problemen an euch wenden können.

 

Welches Gerät ist das Richtige?

Seniorenhandy? Notfallgerät? Oder muss es das neueste Flaggschiff eines international bekannten Herstellers sein? Die Wünsche der Kinder weichen verständlicherweise von denen ihrer Eltern ab. Viele von uns Älteren nutzen das Handy nur als das, wofür es ursprünglich gedacht war: Zum Telefonieren. Doch spätestens ab einem gewissen Alter möchten die Kids mehr. Auch hier liegt es bei euch, welches Modell ihr für eure Tochter oder euren Sohn wählt. In den ersten Jahren ist es ratsam, auf ein günstiges Gerät zurückzugreifen. Denn Sorgfalt oder Vorsicht sind noch Fremdwörter für die jungen Smartphone-Nutzer und das erste defekte oder gar verloren gegangene Handy ist nur eine Frage der Zeit.

 

FAQ

Haben Minderjährige ein Recht auf ein Smartphone?

Nette Idee, welche so manchem Teenager gefallen könnte. Aber nein. Kinder haben kein Recht auf ein eigenes Handy. Hier müssen explizit die Eltern zustimmen. Ebenso wenig dürfen sie selbstständig einen Vertrag bei einem Anbieter abschließen. Rein rechtlich gesehen gelten Minderjährige als bedingt Geschäftsfähig.

Was für ein Gerät ist für einen 10-Jährigen geeignet?

Ältere Handymodelle sind durchaus für 10-jährige Kids geeignet. Vorausgesetzt, die Erwachsenen haben die Möglichkeit, die Funktionen des Geräts einzuschränken. Unbegrenzter Internetzugang ist in diesem Alter noch nicht sinnvoll.

Wann bekommen die meisten Kinder ein Handy?

Einer 2019 durchgeführten Studie zufolge besitzt die Mehrheit der Kinder mit 10 Jahren ein eigenes Handy. Bei den 6 bis 7-Jährigen sind es lediglich 6 %, wobei die Tendenz jährlich steigt. Meist bekommen die Kids mit dem Wechsel in eine weiterführende Schule ein eigenes Gerät.

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yamo

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